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Erfahrungsbericht aus unserem Buch :

,, Warum in unserer Familie"

Betroffene Eltern berichten:

Herrliches Sommerwetter, blauer Himmel, Ferien alles was dazugehört, un in gute Laune zu kommen. Pläne, was man machen könnte und will, soweit die Zeit es zulässt. Genau so war es vor 13 Jahren, als ein Telefonanruf  unser ach so ganz normales Familienleben von Grund auf veränderte. Die Mutter eines Schulkameraden unseres Jüngsten rief bei mir an, ich könnte in den nächsten Tagen mit der Kripo und einer Hausdurchsuchung rechnen Eine größerer Gruppe von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren habe mit Haschisch und allem , was dazugehört zu tun. Zu dieser Gruppe gehörten auch einige aus der Klasse  die mein Sohn besucht. Er wäre der Letzte auf einer Personenliste, die man alle schon vernommen habe

Als ich das hörte, fiel ich nicht nur aus allen Wolken-bei mir brach eine Welt zusammen. Rauchen, auch kiffen, waren für mich Begriffe, die schon in mein Denken eingegangen waren. Es gab genug Aufklärung, an dem fehlte es wirklich nicht, aber als es dann in der eigenen Familie passierte, war ich doch furchtbar schockiert.

Ich wartete nicht auf  die Polizei, sondern packte unseren Filius und fuhr selbst auf das Dezernat und versucht herauszufinden, was hier vor sich ging. Unser Sohn selbst war so verstockt und bockig, dass nichts zu machen war. Bei der Polizei gab er zwar alles zu, war aber nicht bereit, Namen zu nennen. Er lebe zu gefährlich, war seine Ausrede, die er bis heute benutzt. Der Beamte baute ihm noch eine Brücke, indem er sagte, die ganzen Vorgänge wären doch sicher vor seinem Geburtstag passiert, er war nämlich kurz vorher 14 Jahre alt geworden.

das war der Anfang einer Reihe von Geschehnissen, die unsere Familie im Laufe der Jahre in  

in Zwei Lager spalten sollte und zuletzt auch Beziehungen unter uns  zerstörte.

Zunächst entging unser Sohn einer Strafe , weil er ja zu jung war. Er ging weiter zur Schule, war unauffällig und machte einen guten Realschulabschluss. Die anschließende Lehre in einem Handwerksberuf schloss er mit sehr gutem Erfolg ab. Alles in allem war er ein normaler junger Mann.

Mein Misstrauen zerstreute er, indem er auf seine guren Leistungen verwies, gab aber zu, ab und zu doch zu kiffen. Dass er zu diesem Zeitpunkt auch schon dealte, war mir zwar irgendwie bewusst, aber ich wollte es einfach nicht wahrhaben. Es gehörte nicht zu uns, es darf doch nicht wahr sein, Drogen sind etwas für asoziale oder reiche Leute, aber nicht für uns anständige, total bürgerliche, normal unauffällige Familien. Welcher Irrtum in meinem Kopf!

Mein Mann war in dieser Zeit dann zu allem Unglück nach langer Krankheit gestorben und ich war durch meine alten Eltern, die Pflegefälle waren, absolut überlastet.

Ich wollte nicht noch mehr Sorgen haben

Mein Sohn machte mir in dieser Zeit auch keinen Kummer mehr, er wurde nur immer stiller und zurückgezogener. Eine Freundschaft zerbrach für ihn, wir beide bekamen zunehmend Schwierigkeiten miteinander, wir lebten jetzt jeder sein Leben nebeneinander her. Er wollte das Abitur nachholen, schaffte jedoch zwei Prüfungen nicht. Da wurde mir schlagartig klar, dass wieder Drogen , und dieses Mal harte, schuld daran waren. Mein Sohn stand nun völlig alleine da, ohne Abitur, ohne Stelle oderArbeitsplaz ohne jegliche Absicherung, ja sogar der Zivildienst war noch nicht geklärt.  Außerdem hatte er ungeheure Schulden gemacht, die auf das Erbteil seines Vaters angelastet wurden, welches dann sogar verkauft werden musste

Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, wundere ich mich, wie ich diesen Abschnitt unseres Lebens überlebte. Ich konnte mit keinem Menschen über diesern Kummer und diese Sorgen reden, weil es keine Drogensucht bei uns in der Familie gab oder geben durfte

Mein Sohn versuchte, sich über Wasser zu halten, indem er jeden Drecksjob annahm. Trotzdem rutschte er immer in tiefere Schulden. Dazu kam sein kriminelles Umfeld und sein körperlicher Zustand, der immer mehr Zerfallserscheinungen aufwies. Ein Blick auch für einen Laien genügte, um Bescheid zu wissen.

Im Sommer letzten Jahres tat er einen Griff in unsere Betriebskasse, was 14 Tage später aufgedeckt wurde.

Es gab keine Ausrden, keine Entschuldigung mehr, die Katastrophe war da.

In dieser Zeit der allergrößten Not kam ich durch die Drogenberatung der Caritas zu unserer Elterngruppe. Zum allerersten Mal begegnete ich Menschen, Väter und Mütter, die gleiches durchmachten oder durgemacht hatten wie ich.

Zum allerersten Mal konnte ich offen, ohne Scham und  Schuld, von meiner Sorge, meinen Ängsten und meiner Not reden. Und zum allerersten Mal fühlte ich mich nicht mitschuldig und an den Pranger gestellt, wie ich es bis dahin immer empfunden hatte, immer für alles zuständig und mitverantwortlich.

In dieser Elterngruppe gab es eine Mutter, die einen ähnlichen Verlauf wie ich mit meinem Sohn erlebt hatte. Deren Sohn hatte etwa10 Jahre diese Sache durchlebt und mitgemacht und führt jetzt ein normales Leben. Diese Erfahrung gab mir so große Hoffnung, dass ich anfing, an Wunder zu glauben.

Mein Sohn ging zunächst zu einer Entgiftung in ein Kranenhaus. Als er Ende September entlassen wurde, verweigerte er seine Einwilligung für eine Langzeittherapie Er wolle sich eine Arbeit suchen, das sei seine beste Therapie. Ich verzweifelte fast ganz und gar über diese Sturheit. Außerdem belastete er mich durch seine Sozialversicherungen und seinen Bedarf zum Lebensunterhalt, von seinen Schulden ganz zu schweigen. Mitte Oktober fand er eine Stelle als Bauhelfer. So konnte er wenigstens einenTeil seiner Kosten wieder selbst bezahlen.

Im November bei einem Wochenende mit Therapeuten wurde mir endgültig klar, dass nur mein Sohn es in der Hand hat, Heilung oder Zerstörung zu finden. Es wurde mir etwas leichten ums Herz, nicht mehr allein zu sein und zu wissen, dass Heilungen möglich sind, wenn der Betroffene es  selbst will.

Vor allen Dingen änderte ich mein Verhalten meinem Sohn gegenüber, weil ich gelernt hatt, dass Druck nur Gegendruck erzeugt.

Mein Sohn wechselte seinen Job und arbeitete als Zeitarbeiter in einer Firma. Im folgenden Frühjahr bekam er über das Arbeitsamt einen Arbeitsplatz in seinem erlernten Beruf. Sein Chef ist sehr zufrieden mit ihm, er kommt gut mit seinen Kollegen zurecht und er verdient seinen Lebensunterhalt wie alle anderen . Er ist ein netter junger Mann geworden. Was seine Sucht betrifft behauptet er, er hätte keine Zeit mehr dafür.

Aber es gibt ja auch Wochenenden. Meine Angst stitzt zu tief im Hinterkopf, zu groß waren die Enttäuschunge, zu viele der Lügen und Ausreden um sie zu vergessen.

Ich will positiv denken und hoffen, dass er, je länger diese gute Entwicklung dauert, er umso fester wieder Fuß fasst in seinem Leben 

Nur die Illusion, in unserer Familie gibt es so etwas nicht, denn ich kümmere mich doch um meine Kinder, diese Blauäugigkeit, die ist mir auf fürchterliche Art aus dem Kopf gestrichen worden. Niemals hätte ich geglaubt, eines meiner Familienmitglieder so hilflos und wehrlos absinken zu sehen.

Die Zugehörigkeit zu unserer Elterngruppe half mir zu überleben und auch wieder Freude an meinem Leben zu finden, bei allem Leid, das ich zu tragen habe.

(Auszug aus unserem Mutmachbuch)

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Eltern

Wir sind eine Eltern - Selbsthilfegruppe, verbunden durch die Sorge um unsere Töchter und Söhne. Wir haben selbst erlebt, wie durch die Sucht die ganze Familie aus den Fugen gerät.

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Durch unsere Erfahrung wissen wir aber auch, dass es möglich ist, etwas zu verändern, wenn wir selbst aktiv werden.

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Eltern

Erfahren Sie von uns, wie Sie mit Angst, Hilflosigkeit, Wut und Schuldgefühlen besser umgehen. Ziel der Elterngruppe ist in erster Linie die gegenseitige Unterstützung.

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